
Der Verlust eines geliebten Menschen kann das eigene Leben tief erschüttern. Meistens geht es um den Tod – des Partners, des Vaters, der Tochter… Doch auch Trennung bedeutet den Verlust eines geliebten Menschen. Plötzlich ist vieles anders: Der gemeinsame Alltag fehlt, vertraute Rituale brechen weg, gedachte Zukunft ist für immer weg. Einsamkeit, Wut, Schuldgefühle, Angst, Orientierungslosigkeit, Scham wechseln sich ab.
Es gibt keinen richtigen Weg zu trauern
Trauer ist immer individuell. Trauerbegleitung kann helfen, in dieser schwierigen Zeit Halt zu finden. Trauerbegleitung unterstützt Trauernde nach einem Verlust dabei, mit der veränderten Lebenssituation umzugehen und den Verlust nach und nach in das eigene Leben zu integrieren. Dabei geht es nicht darum, die Trauer möglichst schnell zu überwinden oder den Menschen loszulassen. Es geht es darum, einen hilfreichen Umgang mit dem Verlust zu finden: Die Beziehung zum geliebten Menschen darf einen veränderten Platz im eigenen Leben bekommen, während gleichzeitig wieder Raum für das eigene Weiterleben entsteht. All das braucht Zeit und Geduld. Hier hilft Trauerbegleitung.
Raum halten und da sein
Der Trauerbegleiter gibt dabei keine fertigen Antworten darauf, wie Trauer aussehen sollte. Er oder sie schafft einen geschützten Raum, in dem die trauernde Person mit dem sein darf, was gerade da ist, das heißt: Raum halten, zuhören, präsent und mitfühlend sein – einfach da sein.
Trauernde Menschen brauchen keine Ratschläge: „Du musst jetzt nach vorne schauen.“, „Das wird mit der Zeit besser.“, „Du musst wieder unter Leute.“ schmerzen, lassen Trauernde einsam zurück. Gut gemeint – und doch kann genau das zusätzlichen Druck, sogar Scham erzeugen. Trauerbegleitung begegnet dem, was ist mit Empathie, Wertschätzung und Präsenz. Trauer muss nicht gelöst werden. Die Aufgabe besteht darin, den Menschen in seinem Erleben zu begleiten und ihm dabei Halt zu geben. Man könnte sagen: Der Trauerbegleitung bezeugt warmherzig, was da ist.
Trauer und Körper
Trauer ist nicht nur ein emotionales und gedankliches Geschehen. Sie zeigt sich unmittelbar körperlich: Schlafstörungen, Erschöpfung, innere Unruhe, Anspannung, Druck im Brustraum oder ein Gefühl von Leere können Begleiter der Trauer sein. Deshalb kann es hilfreich sein, den Körper einzubeziehen: Körperwahrnehmung – Atmen – Erdung – vielleicht kleine Bewegungen. Es geht es nicht darum, Trauer wegzuüben.
Der Körper kann helfen, Boden unter die Füße zu bekommen, Anspannung zu reduzieren und das Nervensystem zu regulieren. Welche Elemente sinnvoll sind, hängt immer von der jeweiligen Person und ihrer aktuellen Situation ab.
Ein Trauerspaziergang kann eine wohltuende Alternative sein. Beim gemeinsamen Gehen fällt es vielen Menschen leichter, über persönliche Themen zu sprechen. Auch Schweigen bekommt seinen Raum. Der Körper ist in Bewegung, die Umgebung verändert sich und Gedanken können sich manchmal freier entwickeln. Ein Trauerspaziergang kann deshalb Gespräch, Bewegung, Wahrnehmung und stille Momente miteinander verbinden.
Trauerbegleitung ist keine Therapie
Trauer ist zunächst eine natürliche Reaktion auf einen bedeutenden Verlust und keine Krankheit. Trauerbegleitung ist deshalb auch nicht dasselbe wie Psychotherapie. Sie kann eine wertvolle Unterstützung im persönlichen Trauerprozess sein, ersetzt aber keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung
Qigong kann helfen
Als ausgebildeter Qigong-Lehrer, Trauerbegleiter und Resilienztrainer weiß ich, wie sehr manchmal Qigong-Elemente den Trauerprozess unterstützen können. Qigong kann helfen, wieder Kontakt zum eigenen Körper aufzunehmen, Anspannung wahrzunehmen und zu regulieren und neue Kraft zu spüren. Dabei entscheide ich gemeinsam mit dem oder der Trauernden, ob und wann solche Elemente passen.
Manchmal ist eine einfache Übung genau richtig, und manchmal ist das Beste, was wir tun können, einfach gemeinsam dazusitzen, zu sprechen und zuzuhören.


