
Der Sommer ist in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) die Zeit des Feuers und des Herzens. Das Herz spielt hier eine besondere Rolle: Es gilt als der Kaiser und steht für Bewusstheit und Lebensfreude. Eng verbunden mit dem Herz ist der Herzbeutel, der das Herz schützt. In der TCM wird er als schützender Palast um den Kaiser verstanden – mit Toren und Wachen. Sie sorgen dafür, dass das Herz behütet wird, ohne eingemauert zu sein: durchlässig und zugleich geschützt.
Lebenskunst des Herzens
Die Lebenskunst des Herzens bedeutet, nicht einfach offen oder geschlossen zu sein, sondern bewusst durchlässig:
- Wie weit möchte ich mein Herz öffnen – und wie viel Schutz braucht es gerade?
- Wo öffne ich mich für Begegnung, Freude und Leben?
- Wann nehme ich mich zurück und mich schütze?
Aufmerksamkeit verdient dabei ein sehr menschlicher Reflex: Wenn wir Verletzung oder Überforderung befürchten oder erleben, zieht sich das Herz zusammen und verschließt sich. Das ist verständlich, doch gleichzeitig gehen damit Herzensfreude, Lebendigkeit und Verbundenheit verloren. Die Weisheit des Herzbeutels erinnert an einen anderen Weg: Schutz, der nicht verschließt, sondern bewusst gestaltet wird. Es geht um bewusste Durchlässigkeit – statt Verschließen oder Grenzenlosigkeit.
Das Feuer kultivieren
Der Sommer lädt besonders ein, das Feuer im Leben zu kultivieren und zu spüren, wie viel Feuer guttut. Zu viel Feuer kann ausbrennen, zu wenig Feuer lässt uns innerlich frieren, weil Lebendigkeit und Verbundenheit fehlen. Lebenskunst bedeutet hier feines Spüren und Regulation:
- Wie durchlässig möchte ich gerade sein?
- Wo darf das Leben hinein – und wo brauche ich Klarheit und Grenze?
- Wie viel Feuer brauche ich gerade – und wie nähre ich es gut, ohne mich zu verbrennen?
Drachenkrallen und geschützte Räume
Im Qigong und im Coaching arbeite ich gerne mit kleinen Übungen, die helfen, Schutz und Feuer zu regulieren, zum Beispiel Geschützte Räume oder Drachenkrallen.
Die Drachenkrallen mag ich besonders: Mit “sanften Pfoten“ holt man beim Einatmen behutsam alles, was das Herz beschwert – Altes wie Neues – aus dem Körper, um es dann über die Hände, die sich zu Drachenkrallen formen und der Vorstellung roter Energiestrahlen kraftvoll auszuatmen.
Es ist erstaunlich, wie das Herz dabei entlastet wird. Durchlässigkeit und Verbundenheit stellen sich ein – oft wie eine kleine innere Befreiung. So kann das Herz blühen: weder naiv offen noch hart geschlossen, sondern in lebendiger, behüteter Durchlässigkeit.


