
Kennst du das? Gedanken tauchen auf und verfinstern alles immer mehr? Besonders nachts! Gedanken wie: „Das schaff ich nie!“, „Das wird nie besser!“, „Was wird bloß aus mir!“ Sie kommen wie von selbst und werden schnell zu Katastrophengeschichten. Wenn dir das passiert, hat der Katastrophisierer übernommen.
Der “Watchtower”
Die gute Nachricht: Du kannst lernen, den Katastrophierer zu entmachten, ohne ihn zu bekämpfen. Hier kommt dein Watchtower ins Spiel – die Steuerzentrale in der Mitte des präfrontalen Cortex. Bessel van der Kolk, renommierter Neurowissenschaftler, beschreibt den Watchtower als zentrale Instanz, die es ermöglicht, die archaischen, automatischen Reaktionen des emotionalen Gehirns zu regulieren. Unter normalen Bedingungen hilft der Watchtower dir, Impulse zu steuern, Entscheidungen bewusst zu treffen und alte Denkmuster zu dämpfen.
Wenn das emotionale Gehirn übertreibt
Problematisch wird es, wenn dein emotionales Gehirn zu der Bewertung kommt, dass deine Sicherheit bedroht ist. Manchmal ist diese Bewertung realistisch, oft jedoch übertrieben. Denn hier fließt viel Altes ein, was heute nicht mehr relevant ist. Wenn die Bedrohungserwartung des emotionalen Gehirns hoch ist, passiert folgendes:
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Der Watchtower wird gehemmt.
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Alte Denkschleifen werden aktiviert – der Katastrophisierer übernimmt.
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Der Körper ruft sinnbildlich: “Tu was, handele!”, ob es Sinn macht oder nicht.
Diese Dynamik ist völlig normal, sie ist Neurobiologie. Dein Gehirn greift dann auf vorbewusste, automatisierte Muster zurück – Erfahrungen, Bewertungen und Überzeugungen, die sich im Laufe des Lebens angesammelt haben.
Den Watchtower stärken
Indem du deinen Watchtower trainierst und so stärkst, lernst du den Katastrophisierer zu erkennen und ihm nicht auf den Leim zu gehen. Dein Watchtower bleibt sozusagen online. Alle Praktiken, die deine Bewusstheit stärken, trainieren den Watchtower. Sie sorgen dafür, dass der Katastrophisierer dich nicht überflutet. Sehr hilfreich sind körperorientierte Achtsamkeitspraktiken, wie Yoga, Qigong oder Feldenkrais. Wirksam ist auch regelmäßige Sitzmeditation, in der du Atmung, Gedanken und Gefühle beobachtest, ohne etwas hinzufügen und ohne zu reagieren. Alles, was deinem Körper gut tut, unterstützt zusätzlich deinen Watchtower.
Im Coaching ist die Stärkung des Watchtower immer wichtig. Es geschieht durch Kombination von Selbstwahrnehmung, Stressmanagement und Verstehen. In aller Regel gelingt das sehr gut.


